Mag. Anton Reisinger hat über Jahre hinweg diese Sagen, Legenden und Erzählungen aus dem Mondseeland und der Umgebung bis St. Wolfgang gesammelt und für Jung und Alt neu erzählt. Viele der Erzählungen wurden mit geschichtlichen und geographischen Anmerkungen versehen. Nun wurden über 130 Erzählungen in einem Buch abgedruckt. Die Illustrationen stammen von Agneta Gräfin von Almeida.
Sagen zur Wilden Jagd im Mondeeland
Früher lebten die Menschen im Mondseeland meist nur in Holzhäusern und es gab noch kein
elektrisches Licht, kein Radio und auch noch keinen Fernseher. Am Abend war es oft nur ein schwacher
Lichtschein, der vom Ofen oder vom offenen Herd her in die dunkle Stube fiel. Kerzen waren sehr teuer und wurden nur angezündet, wenn es wirklich notwendig war. Wenn dann der Wintersturm um das Haus brauste und an den Fenstern rüttelte blieben auch die Erwachsenen in der warmen Stube und manchmal erzählte einer Geschichten von der wilden Jagd. Die Kinder saßen dann still dabei und hörten aufmerksam zu.
In den Rauhnächten um Weihnachten stürmte früher die wilde Jagd durch die Luft über die
Wälder und Felder des Mondseelandes. Ganz voran kam eine Meute vieräugiger Hunde und
dahinter sauste der Schwarm der wilden Reiter, von denen manche auf schwarzen Ziegenböcken
ritten. Die Menschen blieben angsterfüllt in ihren Häusern. Wer draußen angetroffen
wurde, den packte die Wilde Jagd und nahm ihn mit. Nur über diejenigen, die sich flach auf
die Erde warfen und einen Rosenkranz oder die etwas Geweihtes bei sich trugen, stürmte der wilde
Haufen hinweg.